Die Strukturen in einem Unternehmen sind einem ständigen
Wandel unterworfen. Deshalb unterliegen auch die
Dateiablagen der Notwendigkeit zur kontinuierlichen
Anpassung. Diese Anpassungen können der exponentiell
anwachsenden Datenflut, dem Umstieg von Novell auf Microsoft
oder einfach einer Restrukturierung des Unternehmens
geschuldet sein.
Solange die Daten nur von einem kleinen Fileserver auf einen größeren
kopiert werden und dabei die Strukuren beibehalten werden sollen, ist das
relativ einfach zu handhaben. Allerdings bietet sich dieser Zeitpunkt auch dazu
an, die Strukturen auf den Systemen, und vor allem die Berechtigungen einer
Überprüfung und Optimierung zu unterziehen. Und ab diesem Zeitpunkt wird das
Ganze kompliziert.
Ich möchte Ihnen in diesem Whitepaper aufzeigen, wie man:
-
vorhandene Fileserverstrukturen ausliest und zur
Auswertung vorbereitet,
-
die vorhandenen effektiven Berechtigungen
ausliest und zur Bearbeitung aufbereitet,
-
die Berechtigungen für die neue Struktur
optimiert,
-
neue Fileserverstrukturen aufbaut und einfach mit
benötigten Berechtigungen versehen kann,
-
die Daten kontrolliert von A nach B bekommt,
-
von Novell NSS auf Windows-Fileserver oder
-
von Linux-Fileservern auf Windows-Fileserver oder
-
von Windows-Fileserver auf Windows-Fileserver
umsteigt (Windows steht hier stellvertretend für
alle CIFS-basierenden Fileserversysteme).
Eine der größten Herausforderungen bei einer derartigen Migration ist die
Vergabe der neuen Berechtigungen. Notwendig kann das werden, weil man Daten aus
einem fremden Verzeichnisdienst wie Novell oder aus einem fremden AD migriert
oder man einfach nur die Struktur auf dem Server neu organisiert.
Neustrukturierung der Verzeichnisse
In diesem Szenario gehe ich von vorhandenen Verzeichnisstrukturen aus,
die einer Neuordnung unterzogen werden sollen. Die Komplexität dieses Vorhabens
resultiert aus den Möglichkeiten und Erfordernissen, die das Microsoft-Filesystem
anbietet bzw. erzwingt.
Hier noch einmal die wichtigsten Empfehlungen für die
Berechtigungsvergabe:
·
Berechtigungen sollten nur über Gruppen vergeben werden.
·
Es sollten Ressourcen-Gruppen in den ACLs verwendet werden: Eine
Gruppe pro Ressource und Aufgabe: "Verzeichnis x lesen" + "Verzeichnis
x ändern" -> je nach Anforderung
·
Es muss für die User die Möglichkeit geschaffen werden, dass sie
auch durch das Filesystem über verschiedene Verzeichnisebenen zu ihren
Ressourcen browsen können; es müssen also in den Ebenen darüber mindestens Listberechtigungen
existieren.
Dieses Vorgehen ergibt sich aus den Einschränkungen des Filesystems, da
es keine direkte Verbindung oder Abgleich zwischen dem Verzeichnisdienst und
dem Fileserversystem gibt. Hier sind Administratoren in Novellumgebungen klar
im Vorteil.
Um einen ähnlichen Komfort in die Microsoftwelt zu bringen, verwenden
wir für die Neustrukturierung die Lösung 8MAN der Firma protected-networks.com.
In dieser Lösung haben die Entwickler Algorithmen eingebaut, die durchaus ein Novell-Feeling
aufkommen lassen. Die wesentlichen Vorteile des Programmes 8MAN liegen im
automatisierten Aufbau des benötigten Gruppenkonzeptes für die
Berechtigungsvergabe. Wenn also "Ändern" der Berechtigungen für einen
User "Meier" oder eine Gruppe "Einkauf" für ein Verzeichnis
vergeben werden soll, dann erstellt 8MAN die entsprechende Gruppe, die den
Zugriff ermöglicht. 8MAN kann diese Gruppen nach einer vorher definierten
Syntax aufbauen und kümmert sich dann im laufenden Einsatz auch um die
Konsistenz derselben. Wird diese Gruppe nicht mehr benötigt, wird sie auch
wieder automatisch gelöscht. Das schafft Ordnung im AD. 8MAN bietet aber noch
mehr. Befindet sich dieses Verzeichnis z.B. in der vierten Ebene des
Verzeichnisbaumes, sorgt 8MAN auch für die benötigten Listberechtigungen, damit
der User zu seinen Verzeichnissen browsen kann.
Wie funktioniert das Ganze?
Folgender Ablauf hat sich als praktikabelstes Verfahren erwiesen:
·
Man bindet in 8MAN alle Fileserver ein, die man migrieren möchte.
Das ist ein einmaliger Konfigurationsvorgang; dabei erfolgt eine Selektion
aller Pfade, die berücksichtigt werden sollen.

·
Dann erstellt man einen Report über die ausgewählten
Verzeichnisse, deren Migration geplant ist. Man erzeugt den Report über alle
Verzeichnisse, die ihre Berechtigungen nicht vererbt bekommen. So erhält man
einen guten Überblick über die komplette Pfadstruktur; gesetzte Berechtigungen
in tieferen Ebenen der Verzeichnisstruktur werden sehr oft übersehen, da es keine
Möglichkeiten mit Microsoftbordmitteln gibt, diese einfach aufzuspüren.
·
Auf der Grundlage der vorhandenen Verzeichnisstruktur konstruiert
man die neue Wunschstruktur.
o Dazu
bindet man in die Auswertungen die entsprechenden verantwortlichen Personen ein.
Das ist besonders wichtig, da es diese Personen sind, für die man die Migration
überhaupt macht.
·
Für die einzelnen Bereiche der neuen Struktur lässt man die
Verantwortlichen die Berechtigungen neu definieren.
o Hier ist
es sinnvoll mit Excel zu arbeiten. Eine Darstellung der Pfade in Relation zu
den zu berechtigenden Usern vereinfacht die Arbeit bei der späteren
Berechtigungsvergabe außerordentlich.
Zu diesem
Zeitpunkt kann man auf zweierlei Wegen weiterschreiten.
1.
Man modifiziert die alte Verzeichnisstruktur auf dem alten System. Dabei
gilt es zu beachten, dass man das immer nur dann tun kann, wenn niemand am
System arbeitet. Es ist natürlich auch möglich, das zeitversetzt von der
eigentlichen Fachabteilung durchführen zu lassen. Aber Achtung: Verzeichnisse
dürfen nicht verschoben werden, sonst werden auch die Berechtigungen an den
neuen Ort mitgenommen, was ein größeres Chaos anrichten kann. Deshalb immer
kopieren und dann das Kopierte im alten Pfad löschen.
2.
Die alten Verzeichnisse werden über eine Mappingtabelle mit dem frischen
System synchronisiert. Dieses Vorgehen wird nachfolgend beschrieben:
·
Man erstellt im Filesystem des neuen Servers eine neue LEERE
Verzeichnisstruktur.
o Bei
großen Strukturen erweisen sich dabei Scripte als nützlich.
·
Danach vergibt man in 8MAN die benötigten Berechtigungen;
Grundlage hierfür bilden die Berechtigungslisten.
o Wenn man
das mit dem Gruppenwizard innerhalb von 8MAN macht, hat man die Berechtigungen
in kürzester Zeit vergeben, da alle technischen Konfigurationen wie das Erstellen
der Gruppen, das Berechtigen derselben und das Ganze dann auch noch zu
dokumentieren, direkt von 8MAN übernommen wird. Der Vorteil bei diesem Vorgehen
liegt darin, dass immer nur so viele Gruppen erstellt werden, wie auch tatsächlich
benötigt. Erfahrungen zeigen, dass andere Methoden schnell zu einer großen
Anzahl von Gruppen führen, die man eigentlich gar nicht benötigt. Das können
dann durchaus bis zu 30% der Gesamtgruppenanzahl sein.
o Ein weiterer
Vorteil bei der Vergabe der Berechtigungen über 8MAN liegt in der Anwendung
eines Rollenkonzeptes. Man kann also einfach Berechtigungen über sogenannte
Rollen vergeben.
In Abhängigkeit der Datenmengen, der Anzahl der (Novell) Fileserver und der
Anbindung der Fileserver, die migriert werden sollen, ergeben sich
unterschiedliche Herangehensweisen bzw. richtet sich daran die Auswahl der Tools
für das verschieben aus.
Grundsätzlich muss vor dem Kopieren der Dateien erstmal eine
Mapping-Tabelle erstellt werden. Darin steht, welche Verzeichnisse sich wo in
Zukunft befinden sollen. Diese Tabelle ist die Grundlage für das weitere
Vorgehen.
Es gibt einige etablierte Tools, die verwendet werden können. Hier eine
Auswahl:
-
Robocopy (Microsoft)
-
Microsoft Migration Manager
-
Rsync
-
SecureCopy (Quest)
-
PeerSync (PeerSoftware)
Hat man kleinere Datenmengen und sind Alt- und Neusystem über eine
schnelle Netzwerkverbindung miteinander verbunden, kann man durchaus zu
Robocopy oder SecureCopy greifen. Sobald aber abzusehen ist, dass die Daten
nicht in einem garantierten zugriffsfreien Zeitraum zu transferieren sind,
sollte man eine Lösung wie PeerSync einsetzen. Der Vorteil von PeerSync liegt
im Realtime-Abgleich von Source und Target. Wird eine Datei auf der Source vor
Abschluss der Übertragung geändert, bekommt es PeerSync mit und überträgt diese
Datei erneut. Die Übertragung mit PeerSync verkürzt den Zeitraum erheblich, da
die Übertragung auch dann angestoßen werden kann, während die Mitarbeiter noch
auf dem System arbeiten. Es ist vor allem zu beachten, dass bei der Übertragung
die alten Berechtigungen nicht mitgenommen werden, sondern - wie beim Kopieren
üblich - die neuen Berechtigungen geerbt werden. Ein weiterer wichtiger
Parameter für die Abschätzung der Übertragungsdauer ist auch die
durchschnittliche Dateigröße. Es dauert wesentlich länger, viele kleine Dateien
als wenige Große zu kopieren. Ein wichtiger Aspekt für die Empfehlung von
PeerSync ist zweifellos auch die Transparenz: Man sieht immer, was schon
übertragen wurde und was noch in der Pipeline ist. Bei allen anderen Tools ist
das nicht der Fall. Man kann also nur schätzen, wann man mit der Übertragung
durch ist. Und klappt es nicht beim ersten Mal, muss man weitere Versuche
starten.
Im Übrigen ist es auch nicht notwendig, die Übertragungen zu splitten.
Erst wenn alle Daten übertragen wurden, schaltet man das alte System ab und das
neue an.
Statusinformationen sind wichtig: PeerSync gibt realtime Auskunft über
den Jobverlauf.

Mehrere Synchronisationsjobs können parallel laufen, um Verzeichnisse in
einer neuen Struktur konsolidieren zu können:
Umstieg der Endbenutzer von Alt- auf Neusystem
Sobald die Enduser mit betroffen sind, wird das ganze kompliziert. Hier
hat sich eins als sinnvoll herausgestellt: Je umsichtiger man in der Vorbereitung
der Enduser ist, umso weniger Probleme ergeben sich im Nachgang. Hier ist es besonders
wichtig, die Enduser rechtzeitig mit so vielen Informationen zu versorgen wie
möglich. Vor allem sollte vermittelt werden, warum man das Ganze macht, denn umso
eher werden mögliche Startschwierigkeiten verziehen. Sobald alle Daten auf dem
neuen System eingetroffen sind, kann man nun zügig umstellen. Es sollte
schnellstmöglich der allgemeine Zugriff auf die alten Speicherorte unterbunden
und auf die neuen ermöglicht werden.
Für die Verteilung der neuen Shares empfehlen sich zentralisierte
Konfigurationen wie Login-Scripte oder Gruppenrichtlinien. Sie stellen sicher,
dass beim Neustart eines Rechner bzw. eines Users die für ihn eingerichteten
Freigaben eingebunden und zum Zugriff bereitgestellt werden.
In diesem Whitepaper wurde absichtlich darauf verzichtet, auf die
unterschiedlichen Besonderheiten der verschiedenen Dateisysteme einzugehen.
Wichtig war es, ein Verfahren aufzuzeigen, das den größten gemeinsamen Nenner
aufweist.